Indische Entdeckungen

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Sein Schicksal ist eines der ungewöhnlichsten unter den exilierten Komponisten des 20. Jahrhunderts: Geboren 1907 in Karlsbad, studierte Walter Kaufmann in Prag und Berlin und arbeitete auch in beiden Städten als Pianist, Dirigent und Komponist vor allem für Filmmusik, ehe er 1934, als Jude, nach Indien emigrierte. 1946 kehrte er zurück nach Europa, zog aber von London aus weiter nach Kanada und ließ sich schließlich im US-amerikanischen Bloomington nieder, wo er Musikethnologie unterrichtete und 1984 starb. Das Entdecker-Label cpo hat eine CD-Reihe gestartet mit Kaufmanns Symphonie Nr. 3 und einem Klavierkonzert, nun zieht MDG mit einer weitere Orchester-CD nach – mit vier Weltersteinspielungen, die zeigen, dass man diesen Komponisten unbedingt entdecken sollte. Denn auf einzigartige Weise integriert Kaufmann indische Einflüsse in europäische Spätromantik. Auf eine so subtile Art, dass man es kaum greifen kann, aber doch irgendwie spürt. Es beginnt mit dem „Madrass Express“, in dem man den Zug förmlich heranrauschen hört, gefolgt von „Dirge“, einem berührenden Klagegesang – es ist das einzige der vier Werke, der Kaufmann nicht in Indien, sondern auf dem Schiff zurück nach Europa komponiert hat. „Indian Facades“ ist eine abwechslungsreiche Rhapsodie aus sieben kleinen Stücken, und beschlossen wir das Programm durch die zweite Symphonie, ein nur viertelstündiges Werk, das durch gegeneinander verschobene Rhythmen und pentatonische Melodieverläufe sein besonderes Flair erhält. Das Philharmonische Orchester Regensburg unter seinem Chefdirigenten Stefan Veselka macht seine Sache exzellent. Arnt Cobbers

Walter Kaufmann: Madras Express, Indian Facades, Symphonie Nr. 2, Dirge

Philharmonisches Orchester Regensburg, Stefan Veselka

Musikproduktion Dabringhaus und Grimm

MDG 901 2363-6 (SACD)