Er ist ein Geheimtipp, und manche „Eingeweihten“ halten sein symphonisches Oeuvre, das aus elf Werken besteht, für ähnlich gewichtig wie das von Sibelius oder Schostakowitsch. Eduard Tubin (1905-82) verbrachte die erste Hälfte seines Lebens in seiner Heimat Estland, die zweite im Exil vor den Sowjets in Schweden. Und es liegt sicherlich auch an diesem biografischen Bruch, dass sich lange Zeit niemand seiner Musik angenommen hat. Das ändert sich gerade, und den ersten Einspielungen seiner Symphonien tritt nun eine erste CD mit Kammermusik zur Seite. Zusammengestellt hat sie die estnische Pianistin Kärt Ruubel, die seit ihrem Studium in Deutschland lebt. Vom noch ganz spätromantischen Klavierquartett, das Tubin am Ende seines Studiums schrieb und das etwas Mahlerianisches hat, spannt sich der Bogen bis zur Sonate für Viola und Klavier aus den 60er-Jahren, in dem Tubin immer wieder die Tonalität verlässt. Gewichtig ist auch die von Tubin selbst für Viola transkribierte Sonate für Altsaxophon und Klavier, beide Bratschenwerke werden von Xandi van Dijk und Kärt Ruubel mit großem Engagement und Können vorgestellt, ebenso die kurze Pastorale. Sie ist eine von vier „Beiwerken“, die das Programm insgesamt zu einem runden Ganzen werden lässt. Dieser Einblick in das kammermusikalische, zwischen Spätromantik und Moderne sich entwickelndem Werk Eduard Tubins ist ungemein spannend und macht neugierig auf mehr. Arnt Cobbers

Eduard Tubin: Kammermusik
Triin Ruubel, Xandi van Dijk, Theodor Sink, Kärt Ruubel
Musikproduktion Dabringhaus und Grimm
MDG 903 2370-6 (SACD)
