Überraschendes Duo

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Orgel und Klavier – das klingt nach einer verrückten Idee und ist auch ein bisschen Etikettenschwindel. Aber in vertretbarem Maße. Die Paarung große Kirchenorgel und Konzertflügel wäre in der Tat ungewöhnlich, doch das Duo Klavier und Harmonium war im 19. Jahrhundert in Salons eine relativ beliebte Kombination – und das Harmonium lässt sich gut durch eine kleine Orgel ersetzen, wie es auf dieser Aufnahme geschehen ist. In der Aula der CJD Christophorusschule in Rostock wurde vor einigen Jahren ein Bechstein-Flügel aufgestellt, wenig später kam eine kleine, inzwischen restaurierte Orgel aus einer aufgegebenen Kirche in der Region hinzu. Und so ergibt sich hier nun die sehr selten gewordene Möglichkeit, Orgel und Klavier gemeinsam erklingen zu lassen. Jan von Busch, Lehrer an der Christphorusschule und Organist, und der Berliner Pianist Johann Blanchard präsentieren die fünf spätromantischen „Poesien“ von Sigfrid Karl-Elert, das gemäßigt-moderne „Konzert für Orgel und Klavier“ des Belgiers Flor Peeters sowie César Francks eigene Transkription seines berühmten Orgelwerks „Prélude, Fugue et Variation“. Eingebettet wie ein kleines Juwel spielt Blanchard den ersten Satz aus Charles Tournemires impressionistischem „Poème Mystique“, und den Auftakt machen fünf Stücke aus Alexandre Guilmants „Noels“. Beim Reinhören in das Album sollte man sich nicht verwirren lassen: Die Orgel deckt hier nicht das Klavier zu – die CD beginnt, auch wenn es nirgends angegeben ist, mit 15 Minuten Orgel solo. Arnt Cobbers

Orgel und Klavier

Werke von Guilmant, Franck, Karg-Elert, Tournemire und Peeters

Jan von Busch, Johan Blanchard

Musikproduktion Dabringhaus und Grimm

MDG 903 2375-6 (SACD)