Folge 20

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Joseph Haydn gilt nicht nur als Vater der Gattung Streichquartett, er hat auch gleich ein beeindruckendes Oeuvre für diese Besetzung komponiert: fast siebzig Werke. Aber ebenso beeindruckend ist die Leistung des Leipziger Streichquartetts. Die vier Musiker, oder eigentlich sechs nach mehreren Besetzungswechseln, haben sich nicht nur vorgenommen, sämtliche Quartette Haydns aufzunehmen. Sie ziehen ihr Projekt – das sie zum Haydn-Jahr 2009 begonnen haben – in höchster Qualität durch, ohne dass es zu hörbaren Ermüdungserscheinungen kommt. Nun also Folge 20 mit den drei Quartetten op. 54. Die fallen insofern aus dem Gesamtbild heraus, als Haydn hier nicht vier gleichberechtigte Stimmen miteinander kommunizieren lässt, sondern die erste Geige fast solistisch heraushebt. Vermutlich, weil der Wiener Geiger und Geschäftsmann Johann Tost sie in Auftrag gegeben hatte – und vermutlich auch, weil der damit auf den Pariser Markt zielte, wo das „konzertante“ Streichquartett Ende der 1780er-Jahre gerade in Mode war. Aber auch die „Tost-Quartette“ zeichnen sich durch den typisch Haydn’schen Witz und Überraschungsfreude aus. Und das Leipziger Streichquartett präsentiert sie mit viel Spielfreude und traumwandlerischem Zusammenspiel. Georg Stein

Joseph Haydn: Streichquartette op. 54

Leipziger Streichquartett

Musikproduktion Dabringhaus und Grimm

MDG 307 2366-2