Mit 21 Jahren hat Hilda Paredes 1979 ihre Heimat Mexiko verlassen, kam nach Europa und ließ sich in London nieder, wo sie bis heute lebt. Doch ihre Verbindung mit Lateinamerika ist nach wie vor stark. Im Monodram für einen Bariton, Ensemble und Live-Elektronik „Altazor“ hat sie einen Text des surrealistischen chilenischen Dichters Vicente Hurdobro vertont. Das „Ich“ springt mit einem Fallschirm aus großer Höhe hinab und verliert im Laufe des Flugs Klarheit des Denkens und der Sprache. Das ist faszinierend in Musik gesetzt: vielgestaltig, ausdrucksstark, klangmalerisch und im Vokalpart höchst anspruchsvoll. Guillermo Anzorena verfügt über den nötigen enormen Tonumfang und meistert die Wechsel zwischen Gesang, Sprechen und Flüstern virtuos. Und auch das Freiburger Ensemble Aventure trägt seinen Teil dazu bei, dass die 25 Minuten buchstäblich wie im Fluge vergehen. Für die subtil eingesetzte Live-Elektronik im Konzert, das 2024 in Freiburg mitgeschnitten wurde, war das SWR Experimentalstudio verantwortlich. Auch die beiden folgenden Instrumentalwerke, „Siphonophorae“ und „Epitafio“ wurden live im Konzert mitgeschnitten. Sie eröffnen einen ganzen Kosmos aus Klängen und Geräuschen, mal zart und leise, mal in energischen Ausbrüchen oder zu Klangballungen komprimiert. Spannend! Georg Stein

Hilda Paredes: Altazor
Guillermo Anzorena (Stimme), Ensemble Aventure, Nicholas Reed, SWR Experimentalstudio
Wergo
WER 7416 2
