Pariser Touch

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Als Joseph Haydn 1788 seine drei Streichquartette op. 55 zur Publikation freigab, war er längst ein international renommierter Komponist. In diesem Fall erhielt ein Verlag aus Paris den Zuschlag. Haydn hatte sich in den vorausgegangenen Jahren auf marktgängige Ware spezialisiert, ohne jedoch den persönlichen „touch“ in jedem seiner Quartette aufzugeben. So wartet er auch in den Quartetten op. 55 immer wieder mit Überraschungen und formalen Experimenten auf, sei es das plötzliche Eintauchen in harmonisch fremde Regionen oder ein langsamer Satz zu Beginn eines Quartetts. Die Leipziger sind nach zwanzig CD-Einspielungen der Werke Haydns bestens vertraut mit dessen Tonsprache, haben sich aber den Sinn für die eindringliche Darstellung dieser kleinen persönlichen Besonderheiten bewahrt. Es wird also nicht bloß routiniert musiziert, sondern immer mit hellwachem Geist und einer ausgewogenen Klangbalance diesen feinen Nuancen nachgespürt. Das macht auch die 21. CD dieser Edition noch so reizvoll. Martin Demmler

Joseph Haydn: Streichquartette Vol. 21. Op. 55 Nr. 1-3

Leipziger Streichquartett

Musikproduktion Dabringhaus und Grimm

MDG 307 2385-2