Vocal Discoveries – der Titel trifft es. Denn die Werke auf dieser CD, zumeist für Chor, aber einzelne auch für Solostimme und Klavier oder Orgel, wird kaum jemand kennen. Ja, eigentlich kennt man Marcel Dupré (1886-1971) nur als Orgelkomponisten. Da gehört er zu den Großen, gleichauf etwas mit seinem Lehrer Charles-Marie Widor. Dank Tobias Frank erfahren wir nun, dass er auch Vokalmusik komponiert hat. Der Münchner Organist und Chorleiter beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren intensiv mit Dupré, und in der Tat liegt Duprés Musik bei ihm hörbar in guten Händen. Vorgestellt werden 19 kurze Stücke, das längste dauert außergewöhnliche sieben Minuten. Es beginnt mit einem Prélude für Klavier solo des 15-Jährigen und endet mit einem A-cappella-Chorwerk des 84-Jährigen, und die Werke dazwischen stammen aus allen Schaffensphasen des Komponisten. Dass in den 75 Minuten keine Langeweile aufkommt, liegt auch am Abwechslungsreichtum der Besetzungen: gemischter oder Frauenchor, Tenor oder Sopran und einmal sogar Saxofon als Solostimme, begleitet mal vom Klavier, mal von der Orgel, mal auch a cappella. (Die meisten Stücke sind eigentlich für Orchester geschrieben, Tobias Frank hat sie für Klavier oder Orgel arrangiert.) Das Ensemble Vox ad hoc, in dem Profis und Amateure gemeinsam singen, machen ihre Sache ausgezeichnet, ihr Klang ist leuchtend und klar. Georg Stein

Marcel Dupré: Vocal Discoveries
Ensemble Vox ad hoc, Tobias Frank (Leitung)
Musikproduktion Dabringhaus und Grimm
MDG 902 2380-6 (SACD)
