Dies ist eine faszinierende Fusion von europäischer Klassik und chinesischem Klangsinn. Ping Gao, 1970 geboren und Professor für Komposition in Hongkong, ist hierzulande noch völlig unbekannt. Umso schöner, dass die chinesische Pianistin Yubo Zhou sein Werk nun in einem Querschnitt vorstellt. Die hier vorgestellten Werke aus den Jahren 2012 bis 2024 heißen „The Autumn Pond“, „Floating Shadows“ oder „Window at Dusk“, und so klingen sie auch: poetisch, zum Teil impressionistisch mit Anklängen an Ravel oder Satie, manchmal meditativ, dann wieder recht lebendig bis virtuos. Dieser Ost-West-Mix ist aber keine banale „Weltmusik“, sondern ernsthafte Musik von heute, gegründet in der westlichen Musikgeschichte, aber offen für Einflüsse aus dem fernen Osten. Ungewöhnlich ist die Wahl des Instruments: Es ist ein Steinway von 1901, dessen samtiger Klang perfekt zur Musik passt, aus der Yubo Zhou mit ihrem klaren, farbenreichen Spiel viele feine Nuancen herausholt. Schön auch das „Poem für einen sprechenden Pianisten“, in dem Yubo Zhou über Reisbrei spricht, summt, lacht und dazu Klavier spielt. Originell! Georg Stein

Ping Gao: Klavierwerke
Yubo Zhou (Klavier)
Musikproduktion Dabringhaus und Grimm
MDG 904 2381-6 (SACD)
