Die Besetzung Saxophon, Klavier, Schlagzeug kennt man aus dem Jazz, vor allem Sonny Rollins spielte meist im Trio ohne Bass. Aber in der Klassik war es etwas völlig Neues, als sich das Trio Accanto 1994 formierte. 2012 übernahm Nicolas Hodges den Platz am Klavier, und bevor er seine Kollegen Marcus Weiss und Christian Dierstein wieder verließ, haben die drei 2024 beim WDR in Köln noch eine letzte Aufnahme gemacht – mit vier Werken, die (wie so viele andere in den letzten 30 Jahren) fürs Trio Accato geschrieben worden sind. Es beginnt mit Beat Furrers „In’s Offene“, in dem die drei Musiker gleichsam jeder für sich den Anker lichtet und sich auf die Reise macht – mit je eigenen Klanggesten, aber doch in fast telepathischer Verbundenheit zueinander. Wie aus dem Nichts entwickelt sich danach Brice Pausets „Adagio dialettico“, das einzige ältere, aus dem Jahr 2000 stammende Stück. Es wirkt wie eine vorsichtige Suche im Klangraum, die immer wieder Überraschungen zu Tage fördert. Eine spannende Hörherausforderung ist auch „Satellites“ der Japanerin Misato Mochizuki. Sie gibt den drei Musikern viel Freiheit, ihre Stimmen zu entwickeln, ohne Rücksicht auf die anderen – und so entsteht ein dichtes Gewebe an Klängen, in das man sich hineinfallen lassen kann. In „That Time“ schließlich lotet Rebecca Saunders die vielfältigen Möglichkeiten aus, die die Besetzung Saxophon, Klavier, Schlagzeug bietet, zwischen Ruhe und Eruption, Wohlklang und Kreischen, Drama und Ruhe. Georg Stein

Out into the Open
Werke von Beat Furrer, Brice Pauset, Misato Mochizuki, Rebecca Saunders
Trio Accanto
Wergo
WER 7419 2
