Die Liebe und der Tod

  • Beitrags-Kategorie:CD-Rezensionen

Viel zu selten hört man die Lieder Henri Duparcs, die ob ihrer Gewichtigkeit prädestiniert dafür sind, auch im deutschen Sprachraum Beachtung zu finden. Neun dieser wunderbaren Werke finden sich auf dem Album der aus Rumänien stammenden Sängerin, die viele große Partien des dramatischen Mezzofachs an bedeutenden Häusern gesungen hat. Frei strömt die Stimme von Hermine May, sinnlich und leuchtend intensiv, tief im Körper ruhend, mitunter jedoch leicht versteifend, sodass die emotionale Durchlässigkeit für die träumerisch-melancholische Grundstimmung bei Duparc abhandenkommen kann. Andererseits wächst Duparcs Liedern damit ein vokales Kaliber zu, das sie näher an die Musik des von dem Franzosen so sehr geschätzten Richard Wagner rückt, ihr aber eben auch die Aura des Dezent-Duftigen nimmt. Mit den „Wesendonck-Liedern“ ist Hermine May dann ganz in ihrem Element. Kraft und Strahl können sich hier entfalten. Aber der große interpretatorische Bogen mag sich nicht einstellen, es kommt keine rechte Atmosphäre auf, vielleicht auch, weil Manuel Lange dem angenehm weichen Grundklang des Steinways von 1901 keinen gestalterischen Zauber angedeihen lässt. So bleibt alles ohne innere Notwendigkeit, gekonnt, beeindruckend, aber ohne wirklich zu berühren. Schmankerl mit vokaler Schlagseite am Schluss: Der „Liebestod“ in Liszts Fassung mit Wagners Original-Isolden-Gesang. Johannes Schmitz

L’amour et la mort

Lieder von Duparc und Wagner

Hermine May (Mezzosopran), Manuel Lange (Klavier)

Musikproduktion Dabringhaus und Grimm

MDG 908 2378-6 (SACD)