Dmytro Choni kombiniert Schumann und Brahms mit Musik von Mykola Lysenko

Er siegte 2018 beim Klavierwettbewerb von Santander und gewann 2022 beim Van-Cliburn-Wettbewerb die Bronzemedaille. Längst hat sich Dmytro Choni zu einem der interessantesten jungen Pianisten entwickelt. Geboren in Kyjiw, hat er in Graz studiert und wohnt nun, wenn er nicht auf Konzertreisen unterwegs ist, in Wien. Ende Mai erscheint seine dritte Solo-CD.
Herr Choni, warum heißt das Album „Heartlands“?
Heartlands steht für ein Gefühl, für die Rückkehr zu den kulturellen und emotionalen Wurzeln. In diesem Programm zeichne ich einen Weg durch das Herz der Romantik. Die sechs Werke sind für mich durch eine gemeinsame emotionale Wahrheit verbunden. Mykola Lysenko in einen Dialog mit Brahms und Schumann zu setzen, stellt die ukrainische Musik für mich in einen gleichwertigen Dialog mit dem westeuropäischen Repertoire. Meine Heimat hat ihren Platz in der musikalischen Mitte Europas.
Die drei Komponisten sind über Leipzig ja auch geographisch miteinander verbunden.
Das stimmt. Lysenko hat von 1867 bis 1869 bei Carl Reinecke studiert. Leipzig war damals noch stark von Robert Schumann geprägt. Und Lysenko hat dort auch die Werke von Brahms gehört. Das hatte großen Einfluss auf ihn.
Warum haben Sie „Dumka-Schumka“ und die Rêverie gewählt?
Das sind die beiden, die mir von seinen vielen kleineren Stücke die liebsten sind. Die Rêverie ist poetisch, träumerisch und voller Nostalgie und erinnert damit an Schumann. Die „Dumka-Schumka“ heißt mit vollständigem Titel „Zweite Rhapsodie über ukrainische Volksthemen“, die Form verbindet sie mit den beiden Rhapsodien op. 79 und dem letzten der Vier Klavierstücke op. 119 von Brahms. Dumka ist eine balladenartige Form, ruhig, nachdenklich, „Duma“ bedeutet Gedanke. Dumkas findet man in den Werken vieler ukrainischer, polnischer, tschechischer und russischer Komponisten, und Lysenko zitiert hier auch die Musik der Kobsaren, der wandernden Sänger in der Ukraine. Der zweite Teil, die Schumka, ist dagegen lebendig, voller Energie und tänzerisch. „Schumity“ bedeutet Lärm machen. Die Dumka-Schumka ist ein absolut brillantes Stück. Ich habe einige andere Miniaturen von Lysenko als Teenager gespielt, und jetzt zu seiner Musik zurückzukehren, fühlt sich sehr besonders an.
Liegen Ihnen die zweite Sonate von Schumann und die Stücke op. 119 von Brahms besonders am Herzen?
Ich fühle mich diesen beiden Komponisten in den letzten Jahren immer stärker verbunden. Besonders das erste Klavierkonzert von Brahms ist mir sehr wichtig geworden. Mein Weg zu Schumann war nicht ganz einfach, aber ich habe schon während meines Studiums an der Musikakademie in Kyjiw seine erste Sonate gespielt. Viel später erst habe ich seine zweite Sonate gelernt, und nun dachte ich, das sei eine wunderbare Möglichkeit, sie aufzunehmen – zusammen mit der Novelette. Die trägt die Opusnummer 21/8, die Sonate ist Opus 22, die Novelette steht ist fis-Moll, die Sonate ist in g-Moll, also der nächsten Tonart. Man verbringt mit Komponisten wie Schumann und Brahms das ganze Leben. Es gibt so viel zu entdecken im Repertoire. Deshalb sollte meine Auswahl möglichst vielfältig sein.
Werden Sie mit dem Geiger Frank Peter Zimmermann auch mal die Violinsonaten von Lysenko aufnehmen?
Wir haben schon ganz unterschiedliches Repertoire erarbeitet, Bartók, Szymanowski, Schubert, Brahms, Schönberg… Jetzt arbeiten wir an unserer dritten CD. Mal sehen, vielleicht kann ich ihn auch für Lysenko begeistern.
Das Gespräch führte Arnt Cobbers.

Heartlands
Schumann Klaviersonate Nr. 2,
Novelette op. 21/8
Lysenko: Dumka-Schumka, Rêverie
Brahms: Zwei Rhapsodien op. 79, Vier Klavierstücke op. 119
Dmytro Choni (Klavier)
